Ökologisches Bauen

Bauen mit der Natur  Bauen für die Umwelt

Durch unsere Bautätigkeit wird die Umwelt maßgeblich beeinflusst, sei es durch den Raubbau an Ressourcen, den Energieverbrauch, den Abfall, die Luftverschmutzung, den Treibhauseffekt, den Ozonschichtabbau oder die Bodenversauerung. Die Beteiligung und damit auch die Verantwortung des Bauwesens an den Umweltproblemen ist weit größer, als meistens angenommen wird.

„Bauen“ ist heute komplexer denn je

Wer heute baut und sicher sein will, dass sein Bauwerk auch längerfristig seinen Wert behält, muss sich mit Fragen des „gesunden Bauens“ und damit der Wohnqualität seines Objektes auseinandersetzen. Gesunde und ökologische Bauten müssen – entgegen häufig verbreiteter Meinung – nicht teurer als normal gebaute Häuser sein. Sie verlangen jedoch klare Zielvorgaben, die möglichst am Anfang, bevor der Architekt mit der Planung beginnt, feststehen. Damit ist nicht nur der Planer und die Planerin, sondern auch die Bauherrschaft gefordert. Sie haben es in der Hand, welchen Ressourcenverbrauch und wie viel Umweltbelastung das Gebäude während der Herstellung und Nutzung über ein, zwei oder mehrere Generationen hat.

Nachhaltigkeit

In der heutigen Umweltschutzdiskussion ist Nachhaltigkeit zu einem Modewort geworden, das unterschiedlich definiert und interpretiert wird. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft, er wurde im Jahr 1713 geprägt. Damit galt die Regel, nur so viel Holz zu nutzen, wie auch nachwachsen kann – also vom Zins, und nicht vom Kapital zu leben. Dies ist auch das Anliegen der Kreislaufwirtschaft. 

Die UNO-Kommission definiert Nachhaltigkeit als Kriterium für eine Entwicklung, bei der die heutige Gesellschaft ihre Bedürfnisse decken kann, ohne für zukünftige Generationen die Möglichkeit zu schmälern, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken.

Der Anspruch der Nachhaltigkeit umfasst gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Anliegen. Besonders im Bauwesen wird an der Erforschung und Umsetzung ökologischer Kriterien gearbeitet. Es können vier ökologische Prinzipien unterschieden werden:
  • Raubbau an nicht erneuerbaren Ressourcen vermeiden. Hierzu sind folgende Maßnahmen angezeigt: Effizienter Umgang mit Boden; Minimierung des Verbrauchs von Primärenergie für Betrieb, Heizung und Warmwasserbereitung; Wahl von Baustoffen mit geringer Herstellungsenergie und Verwendung von Recycling-Produkten; effizienter Rohstoffeinsatz durch einfache und kompakte Bauweisen; lange Lebensdauer und Beständigkeit durch gut geschützte und leicht auswechselbare Gebäudeteile.
  • Regeneration der erneuerbaren Ressourcen gewährleisten. Holz ist der mit Abstand bedeutendste erneuerbare Rohstoff in der Bauwirtschaft. Er wird auch zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen, wenn die Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden. Holz aus dem Kahlschlag sibirischer, kanadischer oder tropischer Wälder ist daher unbedingt zu vermeiden. 
  • Belastung der Umwelt mit giftigen Abfällen und Rückständen reduzieren. Die Nutzung nicht erneuerbarer Energieträger hat große Umweltauswirkungen wie beispielsweise den Treibhauseffekt, die Versauerung und Überdüngung des Bodens, die Verschmutzung der Luft und der Weltmeere und die Risiken der Kernenergie zur Folge. Durch die Minimierung von nicht erneuerbaren Rohstoffen werden giftige und umweltbelastende Abfälle bereits in hohem Maße reduziert. Trotzdem sind Bauprodukte auf giftige Rückstände und Abfälle, die während der Herstellung, der Verarbeitung, der Nutzung oder der Entsorgung entstehen können, zu prüfen.
  • Biologische Vielfalt erhalten. Jedes Gebäude ist ein Eingriff in die Natur und reduziert die biologische Vielfalt mehr oder weniger. Die Versiegelung durch Gebäude und Straßen ist daher zu minimieren und durch entsprechende Maßnahmen zu kompensieren. Der Abbau und die Nutzung nicht erneuerbarer Rohstoffe bedrohen in vielen Fällen die natürlichen Ökosysteme, ihre Vermeidung hilft, die biologische Vielfalt zu erhalten.


Umsetzung

Basis des Bauens bilden Partnerschaften zwischen der Bauherrschaft und den Unternehmern beziehungsweise Dienstleistern wie Architekt, Bauingenieur, Fachplaner und Ausführenden. Der Erfolg eines Bauprojektes hängt wesentlich davon ab, wie gut diese Partnerschaften funktionieren. Das erforderliche Wissen kann jedoch von vielen Klein- und Mittelbetrieben z.B. aus Kapazitätsgründen, nicht bereitgestellt werden. Daher ist die Information, Teambildung und Begleitung sowie die Qualitätssicherung während des gesamten Bauprozesses entscheidend.

Die Bildung von Planungsteams ist nicht nur bei großen und komplexen Bauvorhaben sinnvoll. Spezialplaner und Fachpersonen helfen, Bauaufgaben optimal zu lösen. Vor allem in der Vorabklärungsphase sind Informationen durch neutrale Fachpersonen hilfreich. Je klarer die Anforderungen der Bauherrschaft definiert sind, umso gezielter kann der Architekt diese Wünsche realisieren und überprüfen.

Die Qualitätssicherung beginnt bei der Unterstützung der Bauherrschaft bei der Zielfindung, der Definition der ökologischen und energetischen Vorgaben und der Ziele als verbindlichem Leitfaden für die Planung und Umsetzung. Dadurch können die Entwürfe, Werkplanungen und Ausschreibungen optimiert auf die Ziele ausgerichtet und überprüft werden.

Die Umsetzung startet optimal, wenn
  • unmittelbar nach der Auftragserteilung die ausführenden HandwerkerInnen über die ökologischen Anforderungen informiert werden;
  • den HandwerkerInnen eine Produktdeklarations-Liste von allen auf der Baustelle eingesetzten Baustoffen und Chemikalien, die deklariert werden müssen, vorliegt;
  • eine Fachfirma die angebotenen Produkte auf Ausschreibungskonformität prüft und die HandwerkerInnen bei der Nachweisführung unterstützt sowie die verwendbaren Produkte frei gibt;
  • der Einsatz der ausgeschriebenen Produkte durch eine „ökologische Bauaufsicht“ direkt auf der Baustelle geprüft wird.
Nach Erstellung des Gebäudes erfolgt die Feststellung der Zielerreichung sowie die Erfolgskontrolle der Vorgaben mittels Messungen wie z.B. Raumluftqualität-, Luftdichtheit- oder Raumakustikmessung. Ideal ist es, die Bauherrschaft nach der Fertigstellung bei Betrieb und Wartung zu unterstützen, damit die geplanten Energieverbräuche erreicht und durch Reinigung und Wartung keine Schadstoffe in das Gebäude eingetragen werden.

Bei der Gebäudezertifizierung und der Auswahl des Gebäudelabels ist darauf zu achten, dass die Qualitätssicherung des gesamten Bauprozesses inklusive der tatsächlichen Ausführung erfolgt. Nur so ist gesichert, dass das, was auf dem Zertifikat des Gebäudes steht, auch geleistet wird. 

Die ökologische Deklaration von Bauprodukten ist heute keineswegs üblich beziehungsweise einheitlich vorgeschrieben. Daher sind sogar Fachpersonen oft herausgefordert, wenn sie sich mit Prüfzeugnissen, Kennwerten oder Schadstoffen und deren Wirkungen beschäftigen müssen. Zusätzlich erschwerend sind die unterschiedlichen produktspezifischen Angaben der Hersteller. Damit ökologisches und gesundes Bauen einfach umsetzbar ist, gibt es verschiedene Produkt-Datenbanken.

Text: Bmst. Harald Gmeiner, Dornbirn, Energieinstitut Vorarlberg